Bildungszentrum Alte Schule

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Geschichte der alten Schule

Die Schulen der früheren Bauerschaften Schröttinghausen, Niederdornberg und Deppendorf

 

Anno 1753 begann es auf einem Bauernhof

Die Schulgebäude

Schulgemeinde, Schulstatus und Schulorgane

Die Lehrer

Aus dem Schulalltag

 

Anno 1753 begann es auf einem Bauernhof

Lehrer Großenheider war der erste Schulmeister in Schröttinghausen bzw. Deppendorf (11) Das geht aus der "Chronik der Schule zu Deppendorf" hervor, die am 2. Januar 1876 vom Lehrer Prinzlau begonnen und im Jahre 1925 vom Lehrer Blotenberg mit folgendem Text ergänzt wurde:

 "Im Jahre 1753 fing Großenheider an, in dem Hause des Kolons Beckendorf in Schröttinghausen und darauf in Hechts Kotten Schule zu halten."

Der Hof Beckendorf trägt heute die Anschrift "Hillebrand, Schröttinghauser Straße 250". Hechts Kotten hat jetzt die Anschrift "Klos, Schröttinghauser Straße 265". Er ist nach mehreren Umbauten kaum noch als ehemaliges Heuerlingshaus zu erkennen.

In der Schulchronik heißt es weiter: "I775 kaufte Lehrer Großenheider vom Vorwerk Deppendorf den Baum- und Lustgarten und baute darauf 1776 ein Haus. Hinfort unterrichtete er nun darin."
Das Gebäude steht heute noch und führt unter Einheimischen weiterhin den Namen "Alte Schule". Im Torbogen steht die Inschrift:
"Anno 1776 den 21. Oktober haben der Schulmeister Johann Christoffer Großenheider und seine Ehefrau Anna Elisabeth Engels dieses Haus bauen und aufrichten lassen. - Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein; sind doch mehr, die bei mir sind, als die wider uns sind."

Weiter ist in der Schulchronik zu lesen: "Über dem früheren gesonderten Eingang in die Klasse, die auch darin gelegen, doch viel mehr Fenster gehabt, steht: "Weide meine Lämmer."

 

1753 Hof Beckendorf Schröttinghauser Str. 250
1753 - 1776 Hechts Kotten Schröttinghauser Str. 265
1776 - 1823 Schule Deppendorfer Str. 133, heute Wursthorn
1823 - 1894 Schule Deppendorfer Str. 151, heute Milsmann
1894 - 1966 Schule Deppendorfer Str. 147, heute Bildungszentrum Alte Schule

Die Schulen Schröttinghausen Ost und West 1892 - 1960 wurden 1960 zur Schule Schröttinghausen-Deppendorf, Horstkotterheide 22 in Schröttinghausen zusammengeführt.

 

Die Schulgebäude

Der Hof des Bauern Beckendorf, in dem der Lehrer Großenheider 1753 den ersten Schulunterricht gab, ist seit 1556 nachweisbar, tatsächlich bestand er aber schon vorher. ( 15)

Wahrscheinlich hat Bauer Beckendorf dem Lehrer Großenheider die Unterkunft für seine Schüler nur gewährt, damit der Schulbetrieb anlaufen konnte, denn nach wenigen Monaten wurde die Schule in Hechts Kotten verlegt. Er liegt nur wenige hundert Meter vom Hof Beckendorf entfernt und trug früher die Hausnummer 10 c. Der Kleinbuchstabe c lässt erkennen, dass das Haus zum Hof Schröttinghausen Nr. 10 (Hecht) gehörte. Heute trägt dieser Hof die Anschrift "Pötting Schröttinghauser Straße 280"

22 Jahre später ersteigerte Lehrer Großenheider im Jahre 1775 den "Baum- und Lustgarten des Vorwerks Deppendorf' auf Erbpacht, um dort ein neues Wohnhaus mit Schulraum zu bauen. Friedrich der Große hatte die Versteigerung des Vorwerks (eine Staatsdomäne) angeordnet. Er wollte damit etwa zwanzig Arrödern (Neubauern) eine Existenz verschaffen. Darunter war auch der Lehrer Großenheider. Damals war es nicht ungewöhnlich, dass Lehrer ihre Schulräume auf eigene Rechnung bauen ließen. (6)

Auf dem ersteigerten Grundstück erstand 1776 das geplante Wohnhaus mit Schulraum. Dort unterrichtete Lehrer Großenheider Schüler aus den Bauerschaften Deppendorf, Niederdornberg und Schröttinghausen. Das Haus erhielt die Hausnummer 18 in Deppendorf.

Als die Schülerzahl in Deppendorf, Niederdornberg und Schröttinghausen zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf über 200 anstieg, wurde das Schulhaus zu klein. Die Schulgemeinde entschloss sich 1823, eine neue Schule zu bauen. Sie erhielt die Hausnummer 20 und stand auf dem Grundstück, das jetzt die Anschrift "Deppendorfer Straße 149" trägt. Der Torbogen hatte die Inschrift: "Unter Leitung der Herrn Landräte von Borries, von der Deken, des Herrn Superintendenten Scheer, des Herrn Beamten Haase und des zeitigen Schullehrers Herrn Großenheider ist dieses Schulhaus von den Interessenten des Deppendorfer Schulbezirks zur Ehre Gottes und Bildung der Jugend freiwillig neu gebaut und aufgerichtet, den 20. September 1823." Der genannte Lehrer Großenheider war ein Sohn des bereits eingangs erwähnten Lehrers Großenheider. Damals vererbte man Schulmeisterstellen recht häufig innerhalb der eigenen Familie. (6)

In der neuen Schule stieg die Schülerzahl bis 1892 auf etwa 300 Schüler an. Das Schulhaus wurde wieder einmal zu klein. Deshalb entschloss sich die Gemeinde Schröttinghausen, für ihre Schüler zwei eigene Schulen zu bauen, die Schulen Schröttinghausen-Ost (heute Schröttinghauser Straße 224) und Schröttinghausen-West (heute Sudheideweg 4). Dadurch wurde die Schülerzahl in der Deppendorfer Schule auf etwa 130 verringert.

Die Gründe dafür, dass sich Schröttinghausen aus der Schulgemeinde Deppendorf löste, sind vielfältig. Schröttinghausen hatte damals 128 Familien, Niederdornberg-Deppendorf aber nur 92. Schröttinghausen zahlte zwei Drittel der Schulsteuern, Niederdornberg-Deppendorf nur ein Drittel. Trotzdem war Schröttinghausen im Schulvorstand schwächer vertreten. Vorher hat es zwar nie Klagen darüber gegeben, die Stimmverteilung war aber wenig einleuchtend. Wahrscheinlich wollte Schröttinghausen (das damals als reiche Gemeinde galt und vielleicht sogar die reichste in der Grafschaft Ravensberg war, wie in der Schulchronik vermerkt ist) die Gelegenheit nutzen, sich vom kleineren Partner Niederdornberg-Deppendorf zu trennen. Dafür war man in Schröttinghausen bereit, ohne Beihilfe des Staates zwei Schulen zu bauen und auch zwei Schulmeister zu besolden.

Vor Baubeginn gab es noch manchen Ärger. Die Regierung forderte, Wohn- und Wirtschaftsgebäude getrennt zu bauen, damit der Lehrer ein Stück Land bewirtschaften und auch Schweine, Hühner und eine Ziege halten konnte. Das wurde vom Schröttinghauser Schulvorstand aber abgelehnt, weil es in Ravensberg üblich sei, dass Mensch und Tier unter einem Dach lebten. Als Kompromiss wurde vereinbart, die Lehrerwohnung im Dachgiebel einzuplanen und das Erdgeschoss so zu teilen, dass auf einer Seite das Klassenzimmer und auf der anderen, der Nordseite, die Stallungen und Wirtschaftsräume lagen. 1892 konnten die neuen Schulen bezogen werden.

Mit dem alten Deppendorfer Schulgebäude war man trotz gesunkener Schülerzahl bald nicht mehr zufrieden. In der Schulchronik für das Jahr 1893 heißt es:

"Die Unzweckmäßigkeit der Schulzimmer und die Beschränktheit der Wohnräume machten den Neubau eines Schulhauses notwendig. Die hohen Opfer, welche ein Neubau fordert, ließen die zum größeren Teil weniger leistungsfähige Gemeinde zögern, der immer dringender werdenden Forderung der Königlichen Regierung zu entsprechen, bis endlich im Sommer dieses Jahres mit der Sache Ernst gemacht wurde. Das alte Schulhaus (heute Deppendorfer Straße 151 ) nebst einem Scheffelsaat Land incl. Hausplatz und Hofraum wurde für 5800 Mark an den Schmied Milsmann verkauft. Im September wurde mit dem Neubau, der zu 24000 Mark incl. Hecken- und Obstbaumanpflanzung veranschlagt war, unter Leitung des Architekten Gosebrink, Werther, nach dem von ihm angefertigten und von der Königlichen Regierung zu Minden genehmigten Plan begonnen. Maurermeister Bültmann, Werther, hatte die Maurerarbeiten, Zimmermeister Mönkemöller, Deppendorf, hatte die Zimmerarbeiten und mit ihm die Tischlermeister Kemper, Deppendorf, und Hüttemann, Niederdornberg, die Tischlerarbeiten, Niemeier, Niederdornberg, die Glaser- und Anstreicherarbeiten, Reipschläger und Milzmann die Schlosser- und Schmiedearbeiten erhalten. Die Ausschachtung der Kellerräume ist von den Heuerlingen und Neubauern der Gemeinde unentgeltlich geschehen, während die Kolone den Sand, ca. 30 Fuder, welche Kolon Meyer zu Wendischhoff unentgeltlich geliefert, heranfuhren. Auf diese Weise ist ein nicht geringer Teil der Baukosten gespart und selbst verdient worden. Mitte November konnte der Grundstein gelegt werden, an welcher Feier die Baukommission..., die Glieder der Gemeindevertretung, die Handwerker und die Lehrer mit Schülern sich beteiligten 8am Spielplatz an der Westecke). Der Winter 1893/94 war so milde, dass an dem Bau ununterbrochen gearbeitet werden konnte....Anfang August des Jahres stand das schöne geräumige Schulhaus als ein ehernes Zeugnis für die Opferwilligkeit der Gemeinde glücklich da - ohne jeglichen Unfall volllendet."

Am 15. Oktober 1894 fand die Schuleinweihung statt. Dazu die Schulchronik:

"Nachdem von der alten Schule mit einem Lied Abschied genommen war, erfolgte vor dem neuen Schulhaus, das mit Fahnen, Girlanden und Kränzen festlich geschmückt war, die Übergabe des Schlüssels an den Lehrer Schäfer. Im ersten Klassenzimmer wurde die Einweihungsfeier gehalten, welche Lehrer Schäfer mit Gesang und Ansprache eröffnete, in welcher er auf die Bestimmung der Schule als ein Ort reiner Lehre und weiser Zucht hinwies. Die Festrede hielt Herr Pastor Vethake in beherzigender Weise. Herr Amtmann Landgraf hob in seiner kernigen Rede die Volksideale hervor, welche die Schule zu pflegen habe und schloss mit einem begeistert aufgenommenen 'Hoch' auf den Kaiser. Im Laufe der Feier sangen die Schüler passende Lieder. Darauf wurden sämtliche Schulkinder in der alten Schule auf Kosten der Gemeinde Lind die Erwachsenen im zweiten Klassenzimmer der neuen Schule gegen Zahlung von 50 Pfg. à Person mit Kuchen und Kaffee bewirtet."

1899 erhielt das Schulgebäude einen Glockenturm. Damit wurde ein alter Wunsch der Bevölkerung erfüllt, die seit 1894 im alten Schulhaus gelagerte Glocke wieder zu nutzen. Die Baukosten von 400 Mark wurden von einem alten Schüler der Deppendorfer Schule, W. Kerksiek aus Essen, gespendet. Nach fünfjähriger Pause erklang die Glocke wieder als Schul-, Bet- und Totenglocke, leider nur für 18 Jahre. Im Kriegsjahre 1917 musste sie abgegeben werden. Kolon Gustav Eickhoff, Deppendorf Nr. 10, war der letzte, den sie mit ihren Klängen zur letzten Ruhe begleitete. (14)
Nach dem Kriege bemühte man sich um eine neue Glocke. Lehrer Blotenberg sammelte in der Schulgemeinde 5610 Mark. Der Gemeindevorsteher Meyer zur Müdehorst fuhr nun mit ihm im Oktober 1921 zur Glockengießerei Humpert, Brilon, um eine Glocke zu kaufen. Sie sollte in vier Monaten geliefert werden. Aber sie kam nicht. Der Wert des gesammelten Papiergeldes verfiel, dagegen stieg der Metallpreis um ein Mehrfaches. Die Firma Humpert bat um Verlängerung des Liefertermins. Endlich kamen im Juli 1922 Glocke und Rechnung. Die Rechnung betrug 4752,50 Mark. In Deppendorf und Schröttinghausen war die Freude groß. Schmiedemeister Milsmann und Zimmermeister Mönkemöller hängten die neue Glocke in das Schultürmchen. Am 21. August 1922 wurde sie feierlich eingeweiht.

Um 1958 entschloss man sich, in den Gemeinden Schröttinghausen und Niederdornberg-Deppendorf wieder wie in alten Zeiten eine gemeinsame Schulpolitik zu betreiben. Der Schulverband Niederdornberg-Deppendorf-Schröttinghausen entstand. Es wurde der Neubau einer gemeinsamen Zentralschule für ganz Schröttinghausen und Niederdornberg-Deppendorf geplant, und zwar an der Straße Horstkotterheide. (14) Die Schule Deppendorfer Straße 147 wollte man vorerst bestehen lassen. Jede der beiden Schulen sollte etwa die Hälfte der Schulklassen aufnehmen.
Am 16.12.1960 wurde die neue Schule an der Straße Horstkotterheide eingeweiht.

Als 1966 die Volksschulen in eigenständige Grund- und Hauptschulen aufgeteilt wurden, mussten die Hauptschüler von Schröttinghausen und Niederdornberg-Deppendorf die Hauptschule Dornberg in Babenhausen besuchen. Die Neuorganisation machte das Schulgebäude Deppendorfer Straße 147 überflüssig. Es wurde als Gemeinschafts- bzw. Wohnhaus genutzt. Die Schule Horstkotterheide 22 baute man weiter aus.


Schulgemeinde, Schulstatus und Schulorgane

Schule und Bauerschaft Deppendorf sowie die Bauerschaft Niederdornberg gehörten zur Kirchengemeinde Dornberg (Pfarrer und Schulinspektor Tiemann) und zum Amt Dornberg (Amtmann von Dewald) im Kreise Bielefeld. Die Bauerschaften Schröttinghausen und Häger gehörten zur Kirchengemeinde Werther (Pfarrer Eggerling und Maßmann) und zum Amt Werther (Amtmann Riensch) im Kreise Halle.

Mitglieder des Deppendorfer Schulvorstand waren 1876:

1. Pfarrer und Schulinspektor Tiemann, Dornberg,
2. Amtmann von Dewald, Dornberg,
3. Kolon Schade, Deppendorf Nr. 3,
4. Kolon Niederbeckmann, Niederdornberg Nr. 6 (Stellvertreter),
5. Kolon Heining, Schröttinghausen Nr. 4 (Vorsteher),
6. Kolon Niederhorstkotte, Schröttinghausen Nr. 18 (Stellvertreter),
7. Pfarrer Eggerling, Werther,
8. Pfarrer Maßmann, Werther, 9. Amtmann Riensch, Werther.

1884 trat der Lokalschulinspektor und Pfarrer Tiemann in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde der Sohn des Lehrers Vethake aus Pavenstedt bei Gütersloh, Pastor Vethake. Als er 1912 in den Ruhestand trat, wurde Pastor Otten aus Olpe sein Nachfolger.

1919 setzte man anstelle der geistlichen Ortsschulinspektoren Schulräte ein. Hinzu kamen Elternbeiräte. Einzelheiten sind den entsprechenden Abschnitten über die Schulen Kirchdornberg und Babenhausen zu entnehmen.

Ab 1934 bildeten die Eltern der Schüler die "Schulgemeinde". Aus der Elternschaft hatte der Lehrer drei "Jugendwalter" zu ernennen, zwei Väter und eine Mutter, die in "charakterlicher und politischer Hinsicht den Anforderungen" des damaligen Staates entsprachen. Ihrer Berufung musste der "Ortsgruppenleiter" der NSDAP zustimmen. In Deppendorf war das nicht problemlos. Im Schuljahr 1939/40 forderte der Ortsgruppenleiter, der in Uerentrup wohnte, nur Mitglieder der NSDAP als Jugendwalter zu ernennen. In der Gemeinde Niederdornberg-Deppendorf gab es aber nur 12. Von ihnen hatten aber acht keine Kinder in der Schule. Frauen waren unter den Parteigenossen nicht vertreten. Drei Parteigenossen lehnten die Mitarbeit aus Zeitgründen ab.

Von den 35 Elternpaaren entsprachen somit 32 "in charakterlicher und politischer Hinsicht nicht den Anforderungen, die an einen Jugendwalter im nationalsozialistischen Staate gestellt wurden. Sie waren somit für das Amt des Jugendwalters unbrauchbar", so die vielsagende Anmerkung des Lehrers Blotenberg in der Schulchronik.

Mit Beginn des Schuljahres 1960/61 wurden die Schulen Schröttinghausen-Ost und Schröttinghausen-West aufgelöst. 1966 kam auch für die Schule Deppendorf, Deppendorfer Straße 147, der letzte Schultag. Für künftige Grundschüler stand die Schule Horstkotterheide zur Verfügung. Hauptschüler mussten die Hauptschule Dornberg in Babenhausen und ab 1990 die Hauptschule in Jöllenbeck besuchen. Ausnahmen wurden gestattet, wenn eine andere Hauptschule verkehrsmäßig besser zu erreichen war. So ist es heute noch.

 

Die Lehrer

Zwei Lehrergenerationen der Familie Großenheider und der Lehrer Beiderbecke leisteten Pionierarbeit.

Nach der Chronik der Schule Deppendorf erteilte Schulmeister Johann Christoffer Großenheider im Jahre 1753 den ersten Schulunterricht.

In der im Jahre 1824 fertiggestellten neuen Schule (heute Deppendorfer Straße 149) war wiederum ein Lehrer Großenheider tätig. Es war der Sohn des eingangs genannten Schulmeisters. Sein Nachfolger wurde 1840 Lehrer Beiderbecke. Nähere Angaben über sein Wirken enthält der am Schluss dieses Abschnittes abgedruckte Aufsatz "Leben und Sterben des Heinrich Beiderbecke in Deppendorf', der im l. Band "Zeugen und Zeugnisse aus Minden-Ravensberg" von W. Heienbrok sen. erschien. Er wurde von dem Deppendorfer Lehrer Kastrup um 1927 geschrieben und schildert sehr anschaulich die früheren Verhältnisse in der Bauerschaft Deppendorf Lehrer Beidenbecke bewirkte, dass sich die Erweckungsbewegung in Deppendorf ausbreitete. In den übrigen Dornberger Gemeinden hat das der Dornberger Pastor Stoy, ein ehemaliger Offizier und eine starke Persönlichkeit, zu verhindern gewusst. Von diesem Pastor wurde noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts erzählt, dass er häufig ab 22 Uhr Wirtshauspatrouillen machte, auf der er die gefüllten Schnapsgläser mit einem Spazierstock von den Tischen fegte, unter denen sich die späten Zecher versteckt hatten. (1)

Lehrer Beiderbecke starb am 21. Oktober 1850. Sein Nachfolger wurde Lehrer Niedermeier, der am 13. Juli 1873 sein 50jähriges Dienstjubiläum feiern konnte.

Ihm folgte am 1. Dezember 1875 als "Erster Lehrer" Carl Prinzlau, der von Warburg nach Deppendorf versetzt wurde und am 2. Januar 1876 die Chronik der Schule Deppendorf begann. Unter ihm waren folgende Lehrer in Deppendorf tätig:

Lehrerin Sophie Niedermeier. Tochter des verstorbenen Lehrers Niedermeier,
Lehrerin Anna Schierkamp,
Lehrer Wulfmeyer, Halle,
Lehrerin Adele Oldermann, Gütersloh,
Lehrer Carl Kramer aus Exter, er musste den Schuldienst verlassen, weil er zur "Wiederholungsprüfung" nicht antrat,
Lehrer Wilhelm Wömmel aus Lashorn,
Lehrerin Prinzlau (Ehefrau des Lehrers Prinzlau) als Handarbeitslehrerin,
Lehrer Luis Meinert aus Rothenuffeln bei Bergkirchen.

Am 23. April 1884 verstarb Lehrer Prinzlau. Während seiner letzten Lebensjahre musste er wiederholt aus "gesundheitlichen" Gründen seine Tätigkeit unterbrechen. In der Schulchronik: heißt es:

"Leider hatte sich Herr Prinzlau seit Jahren dem Trunke ergeben und die guten Anlagen und Gaben, die ihm zu Gebote standen, wurden nicht im Dienst der Schüler verwertet. Durch den Fall Kramer (Anmerkung: Er schied wegen Unfähigkeit aus dem Schuldienst) und durch diese Leidenschaft war die Schule in erziehlicher wie unterrichtlicher Seite sehr zurückgekommen. Die Witwe Prinzlau zog dann am 1. Juli 1884 mit ihren drei noch lebenden Kindern zu ihren Eltern nach Warburg."

Lehrer Kastrup voll 1884 bis 1892 und
Lehrer Schäfer von 1892 bis 1905 Schulleiter in Deppendorf

Lehrer Kastrup, Nachfolger des Lehrers Prinzlau, war nicht nur ein tatkräftiger Schulmann, er gründete auch den Christlichen Jungfrauenverein in Deppendorf und verfasste den bereits erwähnten Artikel über den Lehrer Beiderbecke.

Während seiner Dienstzeit waren in Deppendorf die nachstehenden Lehrer tätig:

1. Lehrer Tönsing, der später nach Theesen versetzt wurde,
2. Lehrer Weege aus Bielefeld,
3. Lehrer Speckmann,
4. Lehrer Niederschelp,
5. Lehrer Strangmeyer,
6. Lehrer Weißmann aus Neuenkirchen bei Melle.

Nach Eröffnung der Schule Schröttinghausen-Ost im Jahre 1892 wurde Lehrer Kastrup dort Schulleiter. Sein Nachfolger in Deppendorf wurde am 1. Oktober 1892 der Lehrer Schäfer. Am 1. Oktober 1905 wurde er nach Sundern bei Gütersloh versetzt. Sein Nachfolger wurde Lehrer Blotenberg aus Wehrendorf.

Erster Lehrer Blotenberg unterrichtete 42 Jahre in Deppendorf

Lehrer Blotenberg wurde am 18. Oktober 1905 durch den Ortsschulinspektor Vethake im Beisein der Schulvorsteher Schade und Kronsbein in sein Deppendorfer Amt eingeführt,

Unter ihm waren folgende Lehrer tätig:

Lehrer Hagedorn,
Lehrer Gronemeyer,
Lehrer Wilhelm Tiemann,
Lehrer Strenge aus Hengsten bei Hörde,
Lehrer Holthöfer aus Herford,
Lehrerin Luise Wellmann,
Lehrer Walter Ehlert,
Lehrer Welscher, Theesen,
Lehrer Scheemeyer,
Lehrer Samurey

Lehrer Blotenberg um 1935 mit seinen Deppendorfer Schülern

 

 

Obere Reihe von links: Liebergesell, Lyschatz, Hugo Voß, Herbert Voß, Gustav Reckert, Meyer, unbekannt, Willi Ronsiek, Lehrer Blotenberg.
Zweite Reihe von oben: Bitsching, dahinter Handarbeitslehrerin Frau Gerdes, Annemarie Mönkemöller, Gerda Heidbreder, Paula Heidbreder, Emma Heidbreder, Paula Frodermann, Erika Meyer zu Wendischhoff, Marianne Meyer, Frau Blotenberg.
Dritte Reihe von oben: Emma Diemann, Helene Lyschatz, Liebergesell, FRieda Heidbreder, Wilma Marquard, Elli Hüttemann, Edith Liebergesell.
Vierte Reihe von oben: Walter Bartling, Otto Dieckmann, Kindsgrab, Schnelle, Heinz Pannhorst, Wilhelm Lücking, Hermann Reckert, Redecker, Helmut Siefert, Emil Tiemann.
   
Lehrer Blotenberg wurde am 30. März 1947 pensioniert. Er starb am 8.9.1952. Seine Anmerkungen und Aufsätze in der Schulchronik lassen erkennen, dass er aufrichtig, pflichtbewusst, befähigt und mit großer Liebe zu seinen Schülern den Lehrerberuf ausübte.

Sein Nachfolger wurde 1947 Lehrer Kurt Samurey. Er wurde zum 1. April 1953 als Realschullehrer an die Falk-Realschule in Bielefeld versetzt. Für ihn kam der Lehrer Franz Schmolke, der von 1963 bis 1967 auch Bürgermeister von Niederdornberg-Deppendorf war. Er starb am 8.7.1967.

 

Aus dem Schulalltag

Die Volkszählung am 1.12.1880 ergab für Deppendorf 252 Einwohner, für Niederdornberg 120 und für Schröttinghausen 819, zusammen 1391 Einwohner. 1885 zählte die Gemeinde Niederdornberg-Deppendorf 78 bewohnte Häuser.

Der Heiligabend 1884 wurde - wie alljährlich - mit den Schülern und ihren Eltern auf der Diele des Kolon Oberhorstkotte (heute Wulfmeyer, Schloßstraße 11, Schröttinghausen) gefeiert. "Ein großer Weihnachtsbaum war mit Kerzen geschmückt", heißt es in der Schulchronik, "weil nicht alle Kinder im Elternhaus einen Christbaum hatten." Während der Feier wurde vom Kolon Oberhorstkotte im Auftrag der Gemeinde dem Lehrer Kastrup für seine Schule ein Harmonium unter der Bedingung geschenkt, dass es nur zu christlichen Zwecken genutzt werden dürfe. Lehrer Kastrup hatte sechs Wochen vor Weihnachten einen christlichen Jungfrauenverein gegründet. Für diesen Verein und für die Schule hatten die Mitglieder der Schulgemeinde 180 Mark zur Anschaffung des Harmoniums gespendet. Es sollte den christlichen Gesang fördern.

Im gleichen Jahr wurde am Tage des Dornberger Jahrmarktes (15. Juli) für die Deppendorfer, Niederdornberger und Schröttinghauser Schüler auf dem Hofe der Kolonin Eickhoff in Niederdornberg (heute Möllenbrock, Deppendorfer Straße 88) ein Kinderfest veranstaltet. "Dadurch sollten die Kinder vor den Gefahren des Jahrmarktes bewahrt bleiben", heißt es in der Schulchronik. Und weiter: "Mit Kränzen und Fahnen geschmückt zogen die Kinder von der Schule zum Hof Eickhoff. Dort wurden sie mit Spielen und Gesängen erfreut und mit Semmeln und Limonade erquickt. Abends hielt Pastor Vethake eine kleine Ansprache. Die Kinder waren viel vergnügter, als es auf der Dornberger Kirmes der Fall gewesen wäre."

Um die Jahrhundertwende gehörte es in Deppendorf noch zu den Aufgaben des Lehrers, die Leichen "zu besingen". Der Lehrer ging mit Schülern zum Beerdigungstermin in das Trauerhaus. Die Kinder sangen während der Trauerfeier, ebenso auf dem Wege zum Friedhof Bei der Feier im Trauerhause wurde der Lebenslauf' des Toten verlesen, den der Lehrer vorbereitet hatte. Das "Besingen" erhielten Lehrer und Schüler bezahlt. Zusätzlich bekamen die Kinder ein Brötchen und der Lehrer eine Fülle Bier aus dem Eimer. Die Zahl der beteiligten Schüler bestimmte die Trauerfamilie. ( 14)

Höhepunkte im Ablauf des Schuljahres waren verschiedene Schulfeste, die vom Zeitgeist des 19. Jahrhunderts bestimmt waren, z.B. das Sedanfest am 2. September zur Erinnerung an die Schlacht bei Sedan im Krieg 1870/71 oder der Geburtstag des Kaisers. Der Ablauf dieser und ähnlicher Feiern wurde bereits im Abschnitt "Die Schule in Kirchdornberg" beschrieben.

Am 18. Mai 1911 wurde das Deppendorfer Spritzenhaus durch Amtmann Stenzel eingeweiht. Vorher war die Spritze in der Schule untergebracht. Das Spritzenhaus stand nördlich der Ecke Deppendorfer Straße / Schloßstraße.

Der sogenannte "Prügelerlaß" vom 29. März 1928 soll sich für die Deppendorfer Schule übel ausgewirkt haben, so die Schulchronik. Der Erlass schrieb vor, dass es disziplinarisch zu ahnden sei, wenn Mädchen körperlich gestraft, Kinder im 1. und 2. Schuljahr geschlagen oder bei Unaufmerksamkeit oder mangelhaften Leistungen körperliche Züchtigungen erfolgten. In der Schulchronik schreibt Lehrer Blotenberg dazu: "Ich hatte vorher beim ersten und zweiten Jahrgang Helfer unter den größeren Schülern. Sie übten das Lesen, das Rechnen und das Schreiben, sonderlich bei den Schwachen unter den Lernanfängern. Dazu war eine strenge Disziplin nötig. Mit leichten Kläpsen dann und wann war das leicht und immer zu erreichen. Heute ist nichts zu machen. Ein Junge - sechs Jahre - rief mir zu: 'Du darfst mich nicht schlagen!' Der Vater eines Mädchens, das wegen bösen Ungehorsams Prügel bekommen hatte, zeigte mich bei der Staatsanwaltschaft an. Das Mädchen war sehr schwer zu erziehen, es heulte täglich vor Wut und hatte fortlaufend Streit mit anderen Schülern. Als sie ein paar Prügel kriegte, weil sie einen siebenjährigen Jungen mit dem Zeigestock bearbeitet hatte, strich sie in der folgenden Pause die Ärmel hoch und äußerte zu den Mitschülern, hoffentlich wären die Streifen noch sehen, wenn sie zu Haus ankomme, damit der Vater mich anzeigen könne."

"Zwei Jungen machen ihre Schularbeit nur selten. Der eine schrieb Aufsätze, die er in Reinschrift eintragen sollte, von seinem Nebenmann ab, weil er sie in der Kladde nicht hatte. Es leuchtet ohne weiteres ein, dass da die Leistungen zurückgehen. Einmal schnappten zwei siebenjährige Jungen einen kleinen Knirps, hielten ihm eine Wespe auf die Wange, bis sie stach. Der Junge bekam ein furchtbar dickes Gesicht. Die beiden Übeltäter mussten ohne Strafe bleiben."

1934 wurde in die Schulchronik eingetragen: "Durch den Dienst in der HJ (Hitler-Jugend) wurde die Schularbeit vielfach erheblich gestört, zwei Nachmittage in der Woche mussten arbeitsfrei bleiben, hier waren es sogar drei Tage, an denen die in der HJ bzw. BDM (Bund Deutscher Mädchen) organisierten Schüler mit Erledigung häuslicher Arbeiten nicht belastet werden durften. Vielerorts kam es zwischen Schule und Leitung der HJ und dem BDM zu Meinungsäußerungen, die dem Dritten Reich unliebsam waren und die Arbeit an der Jugend nicht förderten. Dann wurde der Staatsjugendtag im Jahre 1934 eingeführt. Alle Jungen und Mädchen, die der HJ oder dem BDM angeschlossen waren, durften sonnabends den Schulunterricht nicht besuchen, auch dann nicht, wenn sie an diesem Tage keinen Dienst hatten. hier hatte man eine selbständige Jungenschaft eingerichtet. Führer war ein Schüler, der sittlich nicht einwandfrei war. Die Eltern gaben ihre Kinder nur ungern in diese Einrichtung und stellten die Bedingung, dass der Lehrer tatkräftig mitarbeiten möchte. Das tat er. Doch dieser Arbeit an der Jugend wurde durch Schreiben des Ortsgruppenleiters ein Ende gemacht. Er schrieb: „Wie ich von dem Führer der Hitler-Jugend erfahren habe, haben Sie bei ihrem letzten Übungsabend in der Schule Zu Deppendorf Vorlesungen abgehalten und ein Lied eingeübt. Ich bitte Sie, in Zukunft davon Abstand zu nehmen, da laut Führeranordnung die Jugend sich selbst erziehen soll!“

Zum Schulalltag während des Zweiten Weltkrieges und in den Nachkriegsjahren wird auf die Abschnitte "Schule Kirchdornberg" und "Schule Babenhausen " verwiesen.

Quelle: Anno 1694 in Kirchdornberg
  Schule hat begonnen
  300 Jahre Dornberger Schulen, Seite 91 - 118
  © Erich Jörding, Bielefeld 1994

 

Mit freundlicher Genehmigung: Ulrike Jörding